Orientierungsfähigkeit ist ein Baustein in dem Mosaik, aus dem die für alle sportlichen Betätigungen so wichtigen koordinativen Fertigkeiten aufgebaut sind. Sich zu orientieren hat in aller Regel mit Wahrnehmung zu tun. Informationen über den ankommenden Ball, die Position des Gegners und auch den eigenen Standort werden über das Auge gesammelt und dann verarbeitet. Nachdem alle wichtigen Details erkannt worden sind, wählt man aus der Fülle der Lösungsmöglichkeiten die vermeintlich Beste aus und handelt dann entsprechend. Dieser Ablauf „Wahrnehmen – Entscheiden – Handeln“ findet bei jedem einzelnen Schlag statt und macht unter anderem die Schwierigkeit in unserer Sportart Tennis aus.

In unserem ersten Fotobeispiel (Umdrehen) zeigen wir ein einfaches Beispiel zum Training der Orientierungsfähigkeit. Das Mädchen hat sich mit den Rücken dem Trainer zugewandt. Auf Zuruf dreht sie sich blitzschnell um und bekommt dann sofort einen Ball zugeworfen. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit muss sie die Flugbahn des Balles wahrnehmen und sich entsprechend darauf einstellen. Gelingt ihr dies, wird sie den Ball sicher fangen können. Hier kann man natürlich etwas variieren, indem man Bälle direkt oder über Bodenkontakt zuwirft.

Die Übung im zweiten Fotobeispiel (Um sich selbst drehen) ist dann schon etwas komplexer. Hier muss sich unsere Spielerin zunächst um ihre eigene Achse drehen, dann den ihr zugespielten Ball erlaufen und zurückspielen. Durch die schnelle Körperdrehung hat das Mädchen vermutlich etwas die „Orientierung verloren“. Dies ist normal, wenn man hastige und schnelle Bewegungen mit dem Kopf macht. Trotzdem muss sie möglichst schnell die visuelle Information aufnehmen, wohin der Ball vom Trainer gespielt wurde. Da der Ball links oder rechts, kurz oder lang gespielt werden kann, ist eine schnelle Informationsaufnahme und –Verarbeitung von großer Bedeutung. Dann bekommen die Muskeln vom Gehirn den Befehl zum Handeln, also rennen und schlagen. Diese Zusammenhänge sind zwar etwas vereinfacht, zeigen aber, dass Koordinationsfähigkeit ein sehr komplexes Zusammenspiel von Gehirn und Muskulatur darstellt.

Im dritten Fotobeispiel (Hand zum Boden) haben wir den Schwierigkeitsgrad noch etwas erhöht. In der Ausgangsposition steht unsere Spielerin in der Mitte der Grundlinie. Sie hat die Hand am Boden und keinen Augenkontakt zum zuspielenden Trainer. Nach dem Zuruf des Trainers richtet sie sich auf, „orientiert“ sich erst mal, wohin der bereits angespielte Ball des Trainers unterwegs ist, versucht ihn zu erlaufen und zu schlagen. Danach kehrt sie blitzschnell in ihre Ausgangsposition an der Grundlinie zurück, wo sie sich wieder leicht auf ihre Hand aufstützt und die Augen zum Boden gerichtet hält. Danach erfolgt das gleiche Spielchen mehrmals hintereinander. Insgesamt sechs Bälle soll sie aus ihrer Ausgangsposition ohne Blickkontakt erreichen und spielen. Bei dieser Trainingsform kommt der an sich schon nicht ganz einfachen Orientierungsleistung ein nicht unerheblicher Belastungsdruck hinzu, da die Sprints zu den Bällen nicht ganz ohne sind, zumal die Spielerin sowieso erst recht spät reagieren kann und deswegen umso schneller rennen muss.

 

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