Beim Tennis müssen jede Menge Informationen aufgenommen und verarbeitet werden. Ob über die Augen oder Ohren wahrgenommen wird, ob „gefühlt“ wird oder ob das Gleichgewicht reguliert werden muss, wann und wie stark die Muskulatur Kraft entwickeln soll, all diese Anforderungen an die Sinnessysteme werden dem Tennisspieler ständig abverlangt. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer grundlegenden und vielfältigen koordinativen Ausbildung, die vor allem den jungen Tennisspielern als Basis für spätere bessere Leistungsentwicklung dienen soll. Insofern sollte sich ein Koordinationstraining über viele Jahre hinweg wie ein roter Faden durch den Tennisunterricht ziehen.

Blicken wir auf die Differenzierungsfähigkeit. Differenzieren heißt nichts anderes, als sich an verschiedene Gegebenheiten möglichst schnell und umfassend anzupassen. Dabei kann das schnelle Gewöhnen an einen ungewohnten Bodenbelag genauso als Beispiel gelten, wie das Spielen von Bällen mit unterschiedlicher Härte und Länge.

Die ersten beiden Fotos zeigen ein solches Beispiel, bei dem die beiden Spielerinnen eine Aufgabe gestellt bekommen, bei der sie ihre Schlaggeschwindigkeit und die Länge ihrer Bälle kontrolliert variieren sollen. Bei dieser „Ziehharmonika“ – Übung beginnen beide an der T-Linie (Foto 1), gehen dann aber nach und nach aufeinander zu, bis sie sich am Netz fast direkt gegenüberstehen (Foto 2). Dabei besteht die Schwierigkeit darin, den Ball so dosiert zu spielen, dass er immer vor dem Partner aufspringt, damit so der Ballwechsel erhalten bleibt. Erst nah am Netz sind auch Volleys erlaubt, die natürlich ebenso gefühlvoll gespielt werden sollen. Nachdem die Spielerinnen aufeinander zugegangen sind, sollen sie versuchen, wieder in ihre Ausgangsposition an der T-Linie zurückzukehren, ohne dabei den Ballwechsel zu beenden. Ziel ist es, mit einem Ball ohne Fehler mehrfach die „Ziehharmonika“, also eine Vorwärts- und Rückwärtsbewegung, zu schaffen. Durch die Aufgabenstellung macht der Präzisionsdruck, der auf den Spielern lastet, den eigentlichen Trainingseffekt aus.

Eine weitere Möglichkeit diesen Teilbereich der Koordinationsfähigkeit zu trainieren, ist das Spielen mit einem unterschiedlichen Abstand von der Schlaghand zum Ball. Dies kann zum Beispiel mit einer beidhändigen Vorhand (Foto 3) trainiert werden, da jetzt der Abstand zum Ball durch die etwas eingeschränkte Bewegungsfreiheit anders eingeschätzt werden muss. Ganz deutlich wird dies durch das Spielen mit unterschiedlich langen Schlaggeräten. In Foto 4 spielt unsere Spielerin mit einem üblichen Tennisschläger. Diesen ist sie gewöhnt und deshalb nimmt sie automatisch den entsprechenden Abstand zum Ball ein. Ändert man jetzt das Schlaggerät wie in Foto 5 auf einen „Lagoonschläger“, bei dem praktisch die Hand als Schlagfläche dient, so muss die Spielerin auf ihren „verlängerten“ Arm verzichten und sich vom Abstand zum Ball her völlig neu orientieren. Verwendet man hierzu noch unterschiedliche Bälle, mit dem Lagoonschläger zum Beispiel große Schaumstoffbälle im Gegensatz zum regulären Tennisball, so muss das Mädchen im Fotobeispiel sich auch auf ein verändertes Ballsprungverhalten einstellen und ihr Schlagtiming entsprechend anpassen.

Auf höherem Spiel- Leistungsniveau gilt das Reagieren auf unterschiedliche Drallvarianten wie Vorwärts- oder Rückwärtsdrall als eine Form dieser Koordinationsvariante. In diesen Bereich fällt auch das Anpassen an Tempowechsel, also unterschiedliche Geschwindigkeiten und Flugkurven des gegnerischen Balles.

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